Offener Brief an Rektorat und Sicherheitsdienst

Sehr geehrte Mitarbeiter_innen des Rektorats,
Mitarbeiter_innen des Sicherheitsteams der Universität Wien,

vom 19.-21. Mai finden bildungspolitische Aktionstage am Campus der Uni Wien statt.
Als Auftakt dazu wird am 19. Mai eine Demonstration unter dem Motto „Freie Bildung – Mitbestimmung. Eine andere Uni ist nötig“ stattfinden. Diese Demonstration wird mit einer Kundgebung enden, bei der Studierende, Vertreter_innen der ÖH und Lehrende zu der aktuellen Situation auf den Universitäten sprechen werden.
Mit dem Universitätsgesetz 2002 wurde wirksame Mitbestimmung zunichte gemacht.
Für die kommende Novellierung stellt sich Wissenschaftsminister Hahn statt Wiederbelebung demokratischer Entscheidungsprozesse “moderne Managementstrukturen” vor, wobei an diesem Prozess weder Studierende noch Lehrende beteiligt waren.

Seit Jahren wurde von verschiedensten Seiten erfolglos versucht etwas an dieser Situation zu ändern. Wir hoffen mit den Aktionstagen die Problematiken allen Beteiligten wieder stärker ins Bewusstsein zu rufen und ein Zeichen zu setzen, dass sehr wohl Studierende und Lehrende gemeinsam für eine menschliche und freie Bildung einstehen können.

Die Studierenden kämpfen demnach nicht allein für sich, sie bedenken genauso die großteils prekären Arbeitsverhältnisse von Lehrenden und deren oft bei weitem nicht ausreichende Bezahlung. Die Umstellung auf das BA/MA System führt derzeit vor allem zu einer Verschulung der Studienpläne. Massenvorlesungen statt Interaktivität, Standardisierung statt Wahlfreiheit stehen auf dem Programm. Der Bachelor wird zur Massenabfertigung, während der Master der Schaffung einer einigen Wenigen vorbehaltenen wissenschaftlichen “Exzellenz” dient.
Die problematische und in vielen Bereichen prekäre Situation von Lehrenden und Studierenden ist also in vielen Aspekten nicht getrennt zu betrachten, letztlich ist es nicht nur das nicht aufgelöste Lehr- /Lernverhältnis, welches eine konstruktive, kritische und progressive wissenschaftliche Arbeit verhindert, sondern auch die künstliche Verkürzung von Studiendauer und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, die langfristige Wissensproduktion und den stetigen Austausch von Lehrenden und Studierenden unmöglich macht.

Was wir wollen:
Studierende aus ganz Wien haben sich dazu entschieden, für einige Tage ihre Uni selbst zu gestalten.
Bei den folgenden Aktionstagen wird der Protest nur die zweite Geige spielen, im Vordergrund steht hier, den Lebensraum Uni zu nutzen, wie das sonst kaum möglich ist. In über 30 Workshops, Lesekreisen und Diskussionsrunden wird (Selbst-)Bildung praktiziert, es wird Raum geschaffen für Inhalte und Lernformen, die sonst kaum Platz finden, Raum für Gestaltung und Kritik, den mensch an der bestehenden Uni oft vergeblich suchen muss. Forderungen an die bestehenden Institutionen sind wichtig, das Ausprobieren des Anderen im Hier und Jetzt darf aber nie zu kurz kommen!

Leistung, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, Elite – sind das die Kriterien, auf denen Wissenschaft und Lehre aufgebaut sein sollen, oder hat Bildung einen anderen Zweck?
Den Horizont erweitern? Raum für kritisches Denken schaffen? Im Austausch mit
anderen den eigenen Standpunkt finden?
Es wird Zeit, die Gestaltung der Unis in die Hand zu nehmen!
• Erhöhung des Uni-Budgets statt Konkurrenz um die wenigen Mittel
• Demokratische Mitbestimmung statt hierarchische Managementstrukturen
• Freier Zugang - Weg mit Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen
• Gleiche Rechte für ausländische Studierende
• Frauen auf die Universitäten
• Kritische Inhalte in die Lehre

Die Teilnehmer_innen ersuchen hiermit das Rektorat sowie das Sicherheitsteam der Uni Wien, den Ablauf der Aktionstage durchgehend von Montag bis Mittwoch ungestört über die Bühne gehen zu lassen; wir fühlen uns für die verwendeten Räume der Uni Wien (ob außen oder innen) verantwortlich und werden nach ungestörtem Ablauf diese auch wieder so verlassen wie wir sie vorgefunden haben.

Weitere Infos unter www.freiebildung.at und an den Infoständen während der Aktionstage am Campus.

mit Grüßen
Studierende der Uni Wien

 

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